Ich mag Idealisten, die die Kühnheit besitzen, dem Zeitgeist entgegen etwas Einzigartiges zu schaffen. Der Autodidakt und Kärntner Johannes Muchitsch ist so jemand und seine in Würde gealterte Schlossvilla Miralago am Nordufer des Wörthersees ein wahrhaft magischer Ort. Ein Hideaway für den bekennenden Genussmenschen und wahrscheinlich letzte Bastion der klassischen Sommer-frische am legendären Wörthersee.

Schon der erste Blick am Morgen über den türkisblauen See gleicht einer Bilderpostkarte: links die Halbinsel Maria Wörth mit den Karawanken im Hintergrund, rechts die Ausläufer der Karnischen Alpen mit Mittagskogel und Dobratsch. Darüber steht die Sonne, die schon fast italienisch scheint. Nicht minder spektakulär das Frühstück, das mit großer Sorgfalt zubereitet vor allem dann gut schmeckt, wenn es auf der Terrasse oder im Garten aufgetragen wird.

Die sonnengelbe, unter Denkmalschutz stehende Villa hat lediglich vier Doppelzimmer und sechs Suiten, was zur angenehmen Folge hat, dass es selbst in der Hochsaison im Garten niemals eng wird. Das Salettl unten am See ist ein Platz von zauberhafter Romantik und älter noch als die große Fichte, in deren Schatten es sich im Hochsommer wunderbar entspannen lässt.

Zur blauen Stunde zieht es Gäste und Freunde des Hauses wie magisch zur Strandbar. Eine ebenso eigentümliche wie einzigartige Konstruktion direkt am Wasser. Aber mit Sicherheit einer der schönsten Plätze am See, wenn es darum geht, den kurzen Augenblick zwischen Sonnenuntergang und nächtlicher Dunkelheit stilgerecht zu zelebrieren. Und später am Abend kocht der Chef persönlich für seine Gäste. Manchmal mit solcher Hingabe, das die Zeit zur Nebensache wird.

Wie viele Sterne die Schlossvilla Miralago wirklich besitzt, weiß niemand so genau. Am Besten man zählt sie selbst. Am Ende eines Sommertages unter freiem Himmel. Mit einem Glas eiskalten Muskateller in der Hand und der Gewissheit, dass sich echter Luxus nicht wirklich klassifizieren lässt.

Michael Oswald